Altersarmut in Deutschland: Wie Waltraud mit 536 Euro Rente überleben soll
Niklas NeumannAltersarmut in Deutschland: Wie Waltraud mit 536 Euro Rente überleben soll
Ein neuer Dokumentarfilm deckt die harte Realität der Altersarmut in Deutschland auf. "Armes Deutschland", ausgestrahlt von RTLZWEI, begleitet die 75-jährige Waltraud, die mit einer monatlichen Rente von nur 536 Euro über die Runden kommen muss. Experten warnen, dass ihr Schicksal keineswegs ein Einzelfall ist – immer mehr Rentner:innen kämpfen trotz jahrzehntelanger Arbeit mit finanziellen Engpässen.
Waltrauds Geschichte steht exemplarisch für eine wachsende Krise. Nach Tätigkeiten als Verkäuferin, Krankenschwester, Lkw-Fahrerin und Taxifahrerin bleiben ihr nach Abzug der Fixkosten monatlich nur noch 280 Euro für den Lebensunterhalt. Als alleinerziehende Mutter von drei Kindern erhält sie keine zusätzliche Unterstützung vom Jobcenter und fühlt sich vom System im Stich gelassen.
Die Altersarmut in Deutschland steigt seit den 1990er-Jahren kontinuierlich an. 1992 waren rund 12 Prozent der Rentner:innen betroffen – heute liegt der Anteil bei 18 bis 20 Prozent. Der stärkste Anstieg erfolgte nach den Hartz-IV-Reformen. Besonders hart trifft es Alleinstehende Frauen, Selbstständige, ehemalige Minijobber:innen und Menschen in Ostdeutschland.
Trotz eines Lebens voller Beiträge reichen die Renten für viele nicht aus. Frauen und Bewohner:innen der ehemaligen DDR erhalten besonders häufig unterdurchschnittliche Zahlungen. Expert:innen führen das Problem auf häufige Berufspausen und niedrige Löhne zurück, die selbst langjährige Arbeitnehmer:innen in die Armutsfalle geraten lassen.
Der Dokumentarfilm fordert dringende Reformen der Rentenpolitik. Waltrauds Fall zeigt, wie Lücken im System Rentner:innen daran hindern, ihre Grundbedürfnisse zu decken. Ohne Kurskorrektur wird die Zahl älterer Menschen in Deutschland, die von Armut bedroht sind, voraussichtlich weiter steigen.
