Anna Netrebko feiert umstrittenes Comeback an der Berliner Staatsoper
Lukas BauerAnna Netrebko feiert umstrittenes Comeback an der Berliner Staatsoper
An der Berliner Staatsoper Unter den Linden feierte eine Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere – mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle. Die Aufführung markierte einen weiteren Schritt in der schrittweisen Rückkehr der Sängerin auf die großen westlichen Bühnen nach Jahren der Kontroversen. Vor dem Opernhaus kam es zu Protesten, bei denen Demonstranten gegen ihre angeblichen Verbindungen zur russischen Politik demonstrierten.
Die Produktion eröffnete mit Netrebko in der Rolle der Amelia in Verdis Oper, die Teil des Festspielprogramms der Staatsoper ist. Im Inneren des Theaters begrüßte das Publikum sie mit begeistertem Applaus. Draußen versammelten sich jedoch etwa 50 Protestierende, die ukrainische Flaggen schwenkten und Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat" skandierten.
Netrebkos Karriere an westlichen Opernhäusern erlitt nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 erhebliche Rückschläge. Kritiker warfen ihr vor, Präsident Wladimir Putin zu unterstützen, woraufhin Engagements unter anderem an der Metropolitan Opera in New York und der Royal Opera House in London storniert wurden. Doch 2024 begann sie ein vorsichtiges Comeback – zunächst mit einem Debüt an der Mailänder Scala und später mit Auftritten an der Wiener Staatsoper. Während ihre gesangliche Leistung und Bühnenpräsenz Lob ernteten, blieben die Debatten über ihre politische Haltung bestehen.
Elisabeth Sobotka, Intendantin der Wiener Staatsoper, hatte zuvor erklärt, Netrebko habe sich öffentlich von Russland distanziert und sei seit ihrem letzten Auftritt in Moskau 2021 nicht dorthin zurückgekehrt. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, war bereits zuvor in Berlin aufgetreten, unter anderem an der Staatsoper. Ihre Feier zum 50. Geburtstag 2021 im Moskauer Kreml hatte die früheren Kontroversen zusätzlich angeheizt.
Trotz der Proteste verlief die Premiere an der Staatsoper ohne Unterbrechung. Netrebkos Darstellung der Amelia blieb der Höhepunkt des Abends und zog sowohl Bewunderer als auch Kritiker in ihren Bann.
Die Neuinszenierung von Un ballo in maschera unterstreicht Netrebkos anhaltende Rückkehr auf die großen europäischen Bühnen. Während ihre künstlerische Rezeption weitgehend positiv ausfällt, zeigen die Proteste vor dem Opernhaus, dass die politischen Spannungen um ihre Person weiterhin bestehen. Die Entscheidung der Staatsoper, sie zu engagieren, spiegelt einen größeren Trend wider: Westliche Operninstitutionen öffnen sich schrittweise wieder für die Sängerin.






