ARD und ZDF vernachlässigen Wirtschaftsthemen – nur 20 Prozent der Talkshows betroffen
Emma WernerARD und ZDF vernachlässigen Wirtschaftsthemen – nur 20 Prozent der Talkshows betroffen
Eine neue Studie zeigt, dass die öffentlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF im Jahr 2025 wirtschaftlichen Themen nur wenig Sendezeit eingeräumt haben. Von 284 analysierten Talkshow-Folgen beschäftigten sich lediglich 47 mit der Wirtschaft – das entspricht gerade einmal 20 Prozent des Gesamtangebots. Kritiker bemängeln, dass diese Vernachlässigung zu einer Zeit erfolgt, in der Deutschland vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen steht.
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), ein von der Wirtschaft unterstütztes Bündnis, warf ARD und ZDF vor, wirtschaftliche Debatten zu vernachlässigen. Der Geschäftsführer der Initiative, Thorsten Alsleben, kritisierte, die Sender kämen ihrer öffentlichen Aufgabe nicht nach, da sie zu wenige Vertreter aus der Wirtschaft in ihre Diskussionen einbezögen. Er verwies darauf, dass in 32 Prozent der Folgen zu wirtschaftlichen Themen überhaupt keine Unternehmer oder Branchenvertreter zu Wort kamen.
Die Gästelisten offenbarten ein deutliches Ungleichgewicht: Politiker machten 41 Prozent der Teilnehmer aus, Journalisten 27 Prozent und Ökonomen 14 Prozent. Unternehmer waren mit nur 5 Prozent vertreten, während Vertreter von Wirtschaftsverbänden in lediglich 2 Prozent der Folgen auftraten.
Die Leistungen der einzelnen Formate fielen unterschiedlich aus. Besonders schlecht schnitt Maischberger ab – in 80 Prozent der wirtschaftsbezogenen Folgen kamen keine Stimmen aus der Wirtschaft zu Wort. Demgegenüber widmete hart aber fair 39 Prozent seiner Sendungen wirtschaftlichen Themen und bezog in jeder relevanten Folge Vertreter der Wirtschaft ein.
Alsleben forderte Reformen und rief die Sender auf, mehr Praktiker einzuladen. Er argumentierte, dass direkte Einblicke von Wirtschaftsführern dazu beitragen könnten, die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands wirksamer anzugehen. Auch der Anteil der Wirtschaftsberichterstattung ist insgesamt gesunken: Lag er 2023 noch bei 33 Prozent der Folgen, so belief er sich 2025 nur noch auf 20 Prozent.
Die Ergebnisse unterstreichen den Rückgang wirtschaftlicher Diskussionen in den großen deutschen Talkshows. Angesichts der abnehmenden Anzahl von Folgen zu diesem Thema und der begrenzten Einbindung von Wirtschaftsvertretern besteht die INSM auf eine Kurskorrektur der Sender. Die Kritik der Initiative fällt in eine Phase anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit in Deutschland.






