Chemie- und Pharmaindustrie einigt sich auf Tarifabschluss mit moderaten Lohnerhöhungen bis 2028
Emma WernerChemie- und Pharmaindustrie einigt sich auf Tarifabschluss mit moderaten Lohnerhöhungen bis 2028
Rund 585.000 Beschäftigte in Deutschlands chemischer und pharmazeutischer Industrie erhalten nach einem neuen Tarifabschluss höhere Löhne. Die zwischen der Gewerkschaft IG BCE und dem Arbeitgeberverband BAVC ausgehandelte Vereinbarung gilt für 27 Monate bis Mai 2028. Sie kommt zu einer Zeit, in der der Sektor weiterhin mit hohen Energiekosten, schwacher Nachfrage und globaler Konkurrenz zu kämpfen hat.
Der Abschluss wurde am 25. März 2026 finalisiert und ist das erste große Tarifergebnis in der deutschen Industrie in diesem Jahr. Die Löhne bleiben von März bis Dezember 2026 unverändert, doch ab Januar 2027 erhalten die Mitarbeiter eine Erhöhung von 2,1 Prozent, gefolgt von einem weiteren Anstieg um 2,4 Prozent im Januar 2028.
Neben den Lohnerhöhungen umfasst die Vereinbarung einen Fonds zur Arbeitsplatzsicherung. Arbeitgeber zahlen jährlich 300 Euro pro Beschäftigtem ein, was in zwei Jahren insgesamt etwa 350 Millionen Euro ergibt. Dieser Fonds soll Maßnahmen wie Standort-Erhalt, Umschulungen und Arbeitszeitverkürzungen finanzieren.
Die chemische und pharmazeutische Industrie, Deutschlands drittgrößter Industriezweig, erzielte 2025 einen Umsatz von rund 220 Milliarden Euro. Doch der Sektor leidet unter den hohen Energiepreisen – verschärft durch den Iran-Konflikt – sowie unter US-Zöllen, schwacher Nachfrage und globalen Überkapazitäten. Viele Großunternehmen reagierten mit Kostensenkungen und Stellenabbau.
Im Vergleich zu anderen jüngsten Tarifabschlüssen, wie etwa der Vereinbarung der Gewerkschaft ver.di für Beschäftigte der Autobahn GmbH – die bis 2028 eine Lohnerhöhung von 8,74 Prozent durchsetzten –, fallen die Steigerungen in der Chemieindustrie deutlich moderater aus.
Die Einigung sieht schrittweise Lohnerhöhungen und Maßnahmen zur Arbeitsplatzsicherung für Hunderttausende Beschäftigte vor. Arbeitgeber investieren Millionen in den Erhalt von Jobs und unterstützen Mitarbeiter durch Weiterbildungen und verkürzte Arbeitszeiten. Das Ziel des Abkommens ist es, den Sektor angesichts anhaltender wirtschaftlicher Belastungen zu stabilisieren.






