Chemieindustrie im Umbruch: Tarifabschluss und Mega-Fusion bei Covestro
Jonas KrausChemieindustrie im Umbruch: Tarifabschluss und Mega-Fusion bei Covestro
Zwei große Entwicklungen prägen diese Woche die deutsche Chemieindustrie. Ein neuer Tarifabschluss zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern steht, während die Übernahme von Covestro durch ADNOC in die finale Phase geht. Beide Schritte erfolgen vor dem Hintergrund steigender Kosten und schrumpfender Produktion in der Branche.
Gleichzeitig zeichnet sich eine bedeutende Fusion ab: ADNOC und der österreichische Mineralölkonzern OMV schaffen mit ihrem Zusammenschluss einen neuen Kunststoffriesen, der zu den größten der Welt zählen wird.
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Arbeitgeberverband BAVC einigten sich am 25. März auf einen neuen Tarifvertrag. Die Beschäftigten erhalten 2027 eine Lohnerhöhung von 2,1 Prozent, gefolgt von weiteren 2,4 Prozent im Jahr 2028. Der Abschluss kommt zu einer Zeit, in der der Sektor mit hohen Energiepreisen und hartem globalen Wettbewerb zu kämpfen hat.
Unterdessen nähert sich die Übernahme von Covestro durch den staatlichen Abu-Dhabi-Konzern ADNOC ihrem Abschluss. Das Unternehmen legte am 20. März ein Pflichtangebot vor, das den Covestro-Aktien einen Wert von 59,46 Euro pro Stück zuweist – knapp unter dem aktuellen Börsenkurs von 59,54 Euro. Seit dem offiziellen Start des Übernahmeangebots Ende 2025 ist der Marktwert von Covestro von 14,7 Milliarden auf rund 12,4 Milliarden Euro gesunken.
Die Übernahme ist Teil einer umfassenderen Umstrukturierung: ADNOC und OMV haben die Unternehmen Borealis, Borouge und Nova Chemicals zur neuen Borouge Group International (BGI) fusioniert. Der Zusammenschluss, der bis Ende März 2026 abgeschlossen sein soll, schafft den viertgrößten Kunststoffhersteller der Welt – mit Covestro als Teil des neuen Konzerns. Die Führung von BGI übernimmt Roger Kearns als Vorstandsvorsitzender, während Stefan Doboczky die Position des Chief Commercial Officers (CCO) bekleidet.
Analysten weisen darauf hin, dass die Bewertung von Covestro mittlerweile weniger von den Unternehmenszahlen als vielmehr von den Übernahmebedingungen abhängt. Das für 2026 berechnete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt mit 98,3 ungewöhnlich hoch – ein Zeichen dafür, dass Anleger vor allem auf den Ausgang der Transaktion schauen. Das ifo Institut warnt unterdessen vor weiteren Produktionskürzungen und Stellenabbau in der deutschen Chemieindustrie im kommenden Jahr.
Der Tarifabschluss bringt den Beschäftigten zwar eine gewisse Entlastung, doch die strukturellen Probleme der Branche bleiben bestehen. Mit der Übernahme von Covestro durch ADNOC und der Gründung von BGI steht eine Neuordnung des globalen Kunststoffmarktes bevor.
Die Covestro-Aktie notiert weiterhin knapp über dem Übernahmepreis, während die finalisierte Fusion in den kommenden Tagen den Start einer neuen Ära für den fusionierten Konzern einläuten wird.






