Deutschlands humanitäres Visum für russische Oppositionelle: Von der Rettung zur Absage
Jonas KrausDeutschlands humanitäres Visum für russische Oppositionelle: Von der Rettung zur Absage
Deutschland hat seit Februar 2022 etwa 2.500 Russen im Rahmen eines humanitären Visumprogramms aufgenommen. Die Initiative sollte Oppositionelle schützen, die vor politischer Verfolgung fliehen. Doch 2023 wurde das Programm stark eingeschränkt – viele Antragsteller hängen seitdem in der Schwebe.
Das Visumverfahren startete im Mai 2022 und bot Regimekritikern einen beschleunigten Weg in die Sicherheit. Zu den Begünstigten gehörten Lada Chischowa, 35, und Dmitri Markewitsch, 39, die Russland vor vier Jahren verließen. Sie bezeichneten sich als „glücklich“, ihre Visa schnell erhalten zu haben – unterstützt von Horizonte Exilhilfe, einer Organisation, die Russen und Belarusen bei der Beantragung humanitären Schutzes hilft.
Doch 2023 verschärfte Deutschland die Kriterien. Seitdem werden nur noch „außergewöhnliche Einzelfälle von besonderer Bedeutung“ genehmigt – vor allem prominente Politiker und Aktivisten mit engen Deutschland-Bezügen. Über 500 Menschen warten weiterhin auf eine Entscheidung des Auswärtigen Amts.
Einer von ihnen ist der 30-jährige unabhängige Journalist Nikita Parmenow. Er gründete Pepel, ein Online-Medium, das über den Krieg an der russisch-ukrainischen Grenze berichtet. Parmenow verließ Russland Ende 2022 und lebt derzeit in Tiflis, Georgien, fühlt sich dort aber nicht mehr sicher. Wie viele andere bleibt seine Zukunft ungewiss.
Dmitri und Lada hoffen nun auf eine Wiederbelebung des Programms. „Jedes Leben, das vor Putins Regime gerettet wird, ist ein Sieg“, betonen sie und unterstreichen die dringende Notwendigkeit weiterer Unterstützung.
Die Aussetzung des humanitären Visumprogramms hat Hunderte russische Dissidenten in Unsicherheit zurückgelassen. Mit den strengen neuen Auflagen qualifizieren sich nur noch wenige für Schutz. Für die Wartenden bedeutet die Verzögerung anhaltende Gefahr und Instabilität.






