"Energyfish": Mini-Wasserturbine schwimmt für sauberen Flussstrom ohne Baustelle
Niklas Neumann"Energyfish": Mini-Wasserturbine schwimmt für sauberen Flussstrom ohne Baustelle
Energyminer entwickelt schwimmende Mini-Wasserturbine namens „Energyfish“
Das Unternehmen Energyminer hat eine kompakte, schwimmende Strömungsturbine mit dem Namen Energyfish entwickelt. Das Gerät wird in Flüssen verankert, nutzt die natürliche Strömung zur Stromerzeugung und leitet die Energie ans Ufer. Ziel ist die Bereitstellung von kontinuierlicher, kostengünstiger Ökoenergie – ganz ohne aufwendige Baumaßnahmen.
Ein einzelnes Energyfish-Modul misst etwa 2,8 Meter in der Länge, 2,4 Meter in der Breite und 1,4 Meter in der Höhe bei einem Gewicht von 80 Kilogramm. Seine maximale Leistung beträgt 6 Kilowatt, pro Jahr können damit rund 15 Megawattstunden Strom erzeugt werden. Ein Schwarm aus 100 Einheiten käme auf eine jährliche Produktion von etwa 1,5 Gigawattstunden.
Laut Hersteller lassen sich zehn dieser Turbinen nach Genehmigung in nur etwa drei Tagen installieren – ohne Beton, Staudämme oder große Bauvorhaben. Die Anlage ist für den ganzjährigen Betrieb ausgelegt, widerstandsfähig gegen Hochwasser und liefert rund um die Uhr Grundlaststrom.
Ein Pilotprojekt läuft bereits im Münchner Auer Mühlbach in der Nähe eines herkömmlichen Wasserkraftwerks. Die gestrichenen Stromgestehungskosten der Energyfish liegen bei etwa 0,08 Euro pro Kilowattstunde, bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von mindestens 8 Prozent über eine Nutzungsdauer von 20 Jahren.
Flüsse bergen jedoch Herausforderungen: Schwankende Wasserführung durch Jahreszeiten, Hochwasser, Niedrigwasser oder Eis beeinflussen sowohl die Leistung als auch die Technik. Trotzdem entsteht aktuell in Sankt Goar am Rhein eine Anlage mit 124 Einheiten – die erste großflächige „Schwarm-Kraftwerk“-Installation dieser Art. Selbst in dieser Größe bleibt die Gesamtleistung bescheiden und liegt im Bereich weniger hundert Kilowatt statt im zweistelligen Megawattbereich.
Das Projekt in Sankt Goar soll die Skalierbarkeit des Energyfish-Systems testen. Dank geringer Installationskosten und schneller Inbetriebnahme könnte die Technologie eine attraktive Option für die Flussstromerzeugung werden. Ihre Anpassungsfähigkeit an wechselnde Bedingungen könnte den Einsatz an geeigneten Standorten weiter ausbauen.
