Entwicklungshilfe in der Krise: NGOs fordern mehr Geld und lokale Mitsprache
Niklas NeumannEntwicklungshilfe in der Krise: NGOs fordern mehr Geld und lokale Mitsprache
Jahresbericht zur deutschen Entwicklungspolitik: NGOs warnen vor Kürzungen und fordern Reformen mit lokaler Einbindung
Der jährliche Bericht zur Bewertung der deutschen Entwicklungspolitik wurde am Mittwoch von Mathias Mogge und Joshua Hofert vorgestellt. Mogge leitet die Welthungerhilfe, Hofert Terre des Hommes. In ihrem Report verweisen sie auf wachsende Herausforderungen im Sektor, die durch Krisen, Kriege und den Klimawandel verschärft werden.
Seit 2022 hat die Bundesregierung das Budget für Entwicklungszusammenarbeit um ein Drittel gekürzt. Für 2027 sind weitere Einschnitte geplant. Mogge und Hofert kritisierten diese Entwicklung scharf und forderten, die Mittel für humanitäre Hilfe im nächsten Haushalt von einer Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro aufzustocken.
Die Nichtregierungsorganisationen begrüßten zwar die jüngste Neuausrichtung der Entwicklungspolitik, bemängelten jedoch, dass den Reformplänen eine klare Strategie fehle. Sie betonten, wie wichtig eine stärkere Einbindung der Zivilgesellschaft – sowohl in Deutschland als auch in den Partnerländern – sei. Hofert warnte, Reformen dürften nicht allein von Berlin aus gesteuert werden, sondern müssten von Anfang an lokale Akteure und junge Menschen einbeziehen.
Mogge unterstrich, dass die Qualität der Hilfe entscheidender sei als ihr Umfang. Er forderte weniger Bürokratie und mehr Handlungsspielraum für zivilgesellschaftliche Gruppen, um die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern zu verbessern. Der gemeinsame Bericht hob zudem hervor, dass Hilfe bedarfsorientiert, neutral und unabhängig bleiben müsse – frei von sicherheitspolitischen, migrationsbezogenen oder geostrategischen Interessen.
Die Organisationen wiesen darauf hin, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit nur dann funktionieren könne, wenn sie sich an den Bedürfnissen der Partner vor Ort orientiere. Die Spannungen zwischen deutschen Interessen und denen der Partnerländer müssten anerkannt werden, um Fortschritte zu erzielen.
Der Bericht fordert dringend sowohl eine Aufstockung der kurzfristigen humanitären Hilfe als auch eine stärkere Finanzierung präventiver Langzeitmaßnahmen. Zudem wird ein inklusiverer Ansatz bei politischen Reformen verlangt. Die NGOs halten diese Schritte für unverzichtbar, um den eskalierenden globalen Druck wirksam zu begegnen.
