FDP zwischen Bewunderung für Milei und wachsender Kritik an radikalen Reformen
Jonas KrausDie FDP und ihre seltsame Liebe zu Javier Milei - FDP zwischen Bewunderung für Milei und wachsender Kritik an radikalen Reformen
Die Freie Demokratische Partei (FDP) gerät zunehmend in die Kritik, weil sie den argentinischen Rechtspopulisten und Präsidenten Javier Milei immer offener bewundert. Parteispitzen loben wiederholt seine radikalen Wirtschaftsreformen – doch seine gesellschaftspolitischen Maßnahmen sorgen international für Aufsehen. Mit dieser Annäherung an umstrittene Figuren droht die FDP, ihre eigenen Forderungen nach mutigem Wandel im Inland zu überlagern.
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ließ sich FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner mit Milei ablichten und lobte seine Rede zu Wirtschaftsreformen. Auch Parteichef Christian Dürr hebt Argentiniens angebliche Wende unter Milei hervor: ein ausgeglichener Haushalt, sinkende Inflation und mehr private Investitionen. Dürr argumentiert, die geschwächte deutsche Mittelschicht könnte von ähnlichen Schritten profitieren – etwa durch Deregulierung und weniger staatliche Eingriffe.
Doch Mileis Politik geht weit über die Wirtschaft hinaus. Seine Regierung stoppte öffentliche Bauvorhaben, strich Beamtenstellen und kürzte Subventionen drastisch – Maßnahmen, die zwar die Inflation dämpften, aber gleichzeitig die Armut verschärften und die Reallöhne einfroren. Gesellschaftlich schränkte seine Regierung den Zugang zu Abtreibungen ein, beschränkte Verhütungsmittel und geriet in Konflikt mit Gleichberechtigungsaktivisten. Diese Schritte ziehen scharfe Kritik auf sich und machen es der FDP schwer, Milei als Reformvorbild zu präsentieren.
Die Annäherung an Milei ist nicht die erste umstrittene Position der Liberalen. Schon früher hatte Ex-FDP-Chef Christian Lindner mit Verweisen auf undemokratische Vorbilder wie Milei oder Elon Musk für Aufsehen gesorgt, die er als Inspiration für Deutschlands wirtschaftliche Zukunft nannte. Unter Dürr setzt die Partei diese Linie fort – obwohl ihr national kaum Einfluss zukommt. Beobachter warnen, dass solche Bezüge Wähler verprellen könnten, die zwar Wirtschaftsreformen befürworten, sich aber von polarisierenden, antidemokratischen Figuren distanzieren.
Die FDP setzt mit ihrer Milei-Fokussierung ihr Kernthema "mutiger Aufbruch" aufs Spiel. Zwar betont sie Argentiniens wirtschaftliche Erholung, doch die Kehrseite von Mileis Politik – wachsende Armut und gesellschaftliche Rückschritte – bleibt umstritten. Bisher scheint die Strategie der Liberalen vor allem eines zu bewirken: mehr Debatten als Wählerzustimmung.
