05 June 2026, 15:59

Gedenklesung in Berlin löst Debatte über verharmlosten Antisemitismus aus

Linkspartei und Anti-Zionismus

Gedenklesung in Berlin löst Debatte über verharmlosten Antisemitismus aus

Eine Veranstaltung in Berlin, die an die Opfer der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen erinnern sollte, hat eine Kontroverse über den Umgang mit Antisemitismus ausgelöst. Am 10. Mai organisierte die Berliner Linkspartei eine öffentliche Lesung am Bebelplatz zum Gedenken an die Zerstörung von Literatur im Jahr 1933. Kritiker werfen der Gedenkveranstaltung vor, eine zentrale historische Tatsache ausgeblendet zu haben: Der Großteil der betroffenen Autor:innen war jüdisch.

Die unter dem Titel „Lesen gegen das Vergessen“ abgehaltende Zusammenkunft wurde von Ines Schwerdtner, der Co-Vorsitzenden der Berliner Linkspartei, auf ihrem Instagram-Profil angekündigt. Sie präsentierte die Aktion als Stellungnahme gegen Hass, Rassismus und das Löschen von Erinnerung. Doch in der Ankündigung fehlte jeder Hinweis auf die antisemitischen Motive hinter den Verbrennungen von 1933.

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Die nationalsozialistische Kampagne „Aktion gegen den undeutschen Geist“ richtete sich explizit gegen den „jüdischen Geist“ in der Literatur. Zwar wurden auch einige nicht-jüdische Schriftsteller:innen wegen modernistischer Ansichten ins Visier genommen, doch die Mehrheit der verbotenen Bücher stammte von jüdischen Autor:innen. Die Auslassung dieses Kontextes bei der Veranstaltung hat Kritik hervorgerufen – besonders vor dem Hintergrund, dass der anti-zionistische Flügel der Linkspartei vor den Landtagswahlen im September an Einfluss gewinnt.

Beobachter:innen weisen darauf hin, dass Antisemitismus allein als eine Form von Rassismus zu betrachten, seine spezifische historische Rolle verzerrt. Die Bücherverbrennungen von 1933 waren nicht nur ein Angriff auf vielfältige Ideen, sondern eine gezielte antisemitische Gewalttat. Diese Unterscheidung zu verwischen, so die Kritik, passe in ein größeres politisches Muster, das die Verfolgung von Jüd:innen herunterspielt.

Die Kontroverse offenbart die Spannungen innerhalb der Berliner Linkspartei im Vorfeld der Wahlen. Dass die Veranstaltung Antirassismus allgemein thematisierte, ohne Antisemitismus direkt zu benennen, spiegelt tiefere Debatten über historische Erinnerungskultur wider. Angesichts des Erstarkens der anti-zionistischen Strömung dürften solche Auslassungen in den kommenden Monaten verstärkt auf den Prüfstand gestellt werden.

Quelle