Glasfaserausbau in Deutschland: Offene Netze beschleunigen die Internet-Revolution
Emma WernerGlasfaserausbau in Deutschland: Offene Netze beschleunigen die Internet-Revolution
Deutschlands Vorstoß für schnelleres Internet gewinnt an Fahrt – fast 300 Unternehmen bauen bundesweit Glasfasernetze aus. Doch der Ausbau beschleunigt sich nicht nur durch die wachsende Zahl der Akteure, sondern auch durch den Trend zu offenen Netzen, bei denen mehrere Anbieter dieselbe Infrastruktur nutzen. Dennoch gibt es Bedenken, wie neue Regulierungen Investitionen und Wettbewerb beeinflussen könnten.
Die Branche hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die gemeinsame Nutzung von Netzen zu erleichtern. Eine standardisierte Schnittstelle namens S/PRI sorgt dafür, dass verschiedene Glasfasersysteme reibungslos zusammenarbeiten. Dadurch können auch kleinere Anbieter Dienstleistungen anbieten, ohne eigene Leitungen verlegen zu müssen.
Mehrere Unternehmen setzen auf unterschiedliche Wege, um offene Netze zu fördern. Deutsche GigaNetz hat kürzlich Vereinbarungen mit dem schwedischen Internetdienstanbieter Bahnhof und Westconnect unterzeichnet, die nun sein Netz mitnutzen dürfen. Gleichzeitig wird Plusnet in Kürze eigene Breitbandtarife über die Glasfaserleitungen von OXG anbieten. Auch die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge planen, ihr Netz bis 2030 oder 2031 für Dritte zu öffnen.
Doch wo offene Netze noch nicht ausreichen, drängen Regulierungsbehörden auf strengere Vorgaben. Daniela Brönstrup, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur (BNetzA), plädiert für schärfere Kontrollen in Regionen mit schwachem Wettbewerb. Ein geplanter Entwurf zur Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) würde Netzbetreiber verpflichten, in Gebieten mit nur einem wirtschaftlich tragfähigen Glasfasernetz Zugangskonditionen mit Konkurrenten auszuhandeln.
Nicht alle befürworten jedoch eine verschärfte Regulierung. Viele Betreiber warnen, dass zu strenge Auflagen Investitionen in neue Infrastruktur hemmen könnten. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Wahlfreiheit groß: 83 Prozent der Kunden von 1&1 Versatel möchten die Möglichkeit haben, den Anbieter zu wechseln, ohne ihre Verbindung ändern zu müssen.
Der Wandel hin zu offenen Netzen prägt den deutschen Glasfasermarkt – mit immer mehr Kooperationen und geteilter Infrastruktur. Sollten die neuen Regeln in Kraft treten, könnten Anbieter in unterversorgten Gebieten zu Verhandlungen gezwungen werden. Letztlich wird das Gleichgewicht zwischen Wettbewerb und Investitionssicherheit entscheiden, wie schnell das Hochgeschwindigkeitsinternet in Deutschland flächendeckend ausgebaut wird.






