"Kein Körper passt" feiert rauschende Premiere in der Vaganten Bühne Berlin
Lukas Bauer"Kein Körper passt" feiert rauschende Premiere in der Vaganten Bühne Berlin
Premierenabend in der ausverkauften Vaganten Bühne Berlin: "Kein Körper passt" feiert Bühnendebüt
Ein ausverkauftes Publikum versammelte sich in Berlins Vaganten Bühne zur Uraufführung von "Kein Körper passt", der Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Roman. Das Stück, inszeniert von nur drei Schauspieler:innen, taucht ein in die Themen Erinnerung, Trauma und einen Körper, der sich jeder kategorischen Zuordnung entzieht. Die Premiere markiert eine mutige Erkundung von Identität und Familiengeschichte durch eine genderfluide Perspektive.
Im Mittelpunkt steht Kim, dessen Reise beginnt, als bei ihrer Großmutter Demenz diagnostiziert wird. Dieses Ereignis zieht sie zurück in einen Schweizer Vorort, wo unter einer Blutbuche – gepflanzt von ihrem Urgroßvater – lange verdrängte Kindheitserinnerungen wieder auftauchen. Der Baum wird zum Refugium, ein Ort der Geborgenheit angesichts des Chaos der eigenen Vergangenheit.
Auf der Bühne verkörpern Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger gemeinsam die Figur Kim. Ihr kollektives Spiel flicht Fragmente eines Lebens zusammen, das von transgenerationalen Traumata geprägt ist: erzwungene Abtreibungen, Massenvergewaltigungen, verlorene Kinder – eine Last, die sich durch die mütterliche Linie zieht. Das Bühnenbild ist karg, doch symbolträchtig: zerschlissene, beige Strumpfhosen hängen von der Decke, gefüllt mit Sand und Bällen, und schwingen wie ungelöste Bürden im Raum.
Das Stück scheut sich nicht vor schonungsloser Ehrlichkeit. Kims Körper wird als grenzenlos beschrieben, jenseits binärer Definitionen. Ihre Mission ist klar: das Schweigen über Scham zu brechen und Selbstakzeptanz zurückzuerobern. Nach neunzig intensiven Minuten legen die Schauspieler:innen das "Große Meer" – eine Metapher für den vererbten Schmerz – zur Ruhe und hinterlassen beim Publikum ein Gefühl zerbrechlicher Versöhnung.
Auch die literarische Vorlage ist kein Unbekannter in Sachen Anerkennung: Kim de l'Horizons Debütroman gewann 2022 sowohl den Deutschen Buchpreis als auch den Schweizer Buchpreis und etablierte sich damit als ein prägendes Werk der zeitgenössischen Literatur.
Die Premiere in der Vaganten Bühne ist mehr als nur eine gelungene Adaption. Sie bringt eine zutiefst persönliche Erzählung von Trauma und Widerstandskraft auf die Bühne und fordert das Publikum heraus, sich der Last des vererbten Schweigens zu stellen. Mit ausverkauften Vorstellungen beweist das Stück, dass Geschichten wie die von Kim – die sich keinem Schema fügen und nicht leise erzählt werden – Gehör finden müssen.






