Mainz-Mombach streitet um Parkplätze statt Radwegsicherheit – wer setzt sich durch?
Lukas BauerMainz-Mombach streitet um Parkplätze statt Radwegsicherheit – wer setzt sich durch?
In Mainz-Mombach ist ein Streit um Parkplätze und Radverkehrsinfrastruktur entbrannt, nachdem der örtliche Bezirksrat beschlossen hat, den Radweg in der Kreuzstraße zu entfernen. Der von der SPD vorangetriebene Beschluss, der die Parkplatznot lindern soll, stößt bei den Grünen auf scharfe Kritik – sie warnen vor erhöhten Risiken für die Sicherheit von Radfahrern. Der Konflikt verdeutlicht die Spannungen zwischen Parkplatzbedarf und Verkehrssicherheitsreformen im Stadtteil.
Der Radweg in der Kreuzstraße war 2020 als Teil umfassender Maßnahmen zur Verbesserung der Radverkehrssicherheit eingerichtet worden. Doch die lokale SPD-Fraktion argumentiert nun, dass die extreme Parkplatzknappheit im Viertel den Anwohnern kaum Alternativen lasse. Ihr Vorschlag, die Radspur durch Parkflächen zu ersetzen, fand in einer jüngsten Ratssitzung eine Mehrheit.
Die Entscheidung hat alte Gräben wieder aufbrechen lassen. Noch 2015 hatte derselbe Rat – damals mit Mehrheiten von SPD und Grünen – den durchgehenden Radweg beschlossen. Die ehemalige Bezirksvorsitzende Dr. Eleonore Lossen-Geißler (SPD) verwies darauf, dass Anwohner früher noch im Ortskern parken konnten, strengere Regelungen diese Möglichkeit jedoch inzwischen einschränken.
Die Grünen verurteilen den Beschluss scharf. Ansgar Helm-Becker nannte ihn einen "Schlag gegen die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer", während die grüne Bezirksrätin und Mutter Katrin Eder das Vorgehen als "erschütternd" bezeichnete. Die Partei warnt, dass Radfahrer auf Gehwege ausweichen müssten und damit Fußgänger sowie Kinder gefährdet würden.
Die SPD wies diese Bedenken zurück. Fraktionschefin Katina Tiesler schlug stattdessen eine Neugestaltung eines steilen Abschnitts der Kreuzstraße vor, um Parkplätze, Radverkehr und Fußgängerbedürfnisse in Einklang zu bringen. Die SPD warf den Grünen vor, praktikable Lösungen zu blockieren, und forderte die Verwaltung auf, ihre Pläne zu prüfen. Die Grünen hingegen kündigten an, jeden Rückbau der Radinfrastruktur zu bekämpfen.
Nun muss die Verwaltung die Umplanungsvorschläge der SPD bewerten. Sollte der Radweg entfernt werden, stünden zwar mehr Parkplätze zur Verfügung – Radfahrer würden jedoch auf gemeinsame Geh- und Radwege gedrängt. Die Entscheidung wird zeigen, ob in Mombach künftig die Verkehrssicherheit oder die Parkplatznachfrage Vorrang hat.
