"Miss Germany"-Finale: Warum zwei Kopftuchträgerinnen die Debatte verändern
Lukas Bauer"Wir atmen auch durch die Nase" - "Miss Germany" mit Kopftuch - "Miss Germany"-Finale: Warum zwei Kopftuchträgerinnen die Debatte verändern
Deutschlands nächste "Miss Germany" wird an diesem Wochenende gekürt – nach einem Wettbewerb, der sowohl Lob als auch Kontroversen ausgelöst hat. Aus über 2.600 Bewerberinnen wurden neun Finalistinnen ausgewählt, doch zwei von ihnen stehen besonders in der Kritik, weil sie ein Kopftuch tragen. Gleichzeitig markiert die Veranstaltung einen Wandel: Die Organisatorinnen setzen zunehmend auf Führungsqualitäten statt auf klassische Schönheitsideale.
Büsra Sayed und Amina Ben Bouzid sind die ersten Finalistinnen in der Geschichte des Wettbewerbs, die ein Hijab tragen. Seit ihrer Nominierung berichten beide von einer Welle rassistischer und sexistischer Angriffe – rund 90 Prozent der hasserfüllten Kommentare stammen von Männern. Trotzdem bleiben sie entschlossen und sehen ihre Teilnahme als Chance, anderen Frauen Türen zu öffnen.
Sayed, eine Modedesignerin und Unternehmerin, führt ein Label für schlichte, kopftuchgerechte Mode und tritt in der Kategorie "Female Founder" an. Ben Bouzid hingegen unterstützt frauengeführte Unternehmen und ist in der Sparte "Female Leader" nominiert.
Der Wettbewerb zeigt auch eine inhaltliche Neuausrichtung. Gesucht werden nicht länger Schönheitsikonen, sondern zukünftige Führungspersönlichkeiten. Unter den Finalistinnen sind etwa Amelie Reigl, eine Biologin, die in Labors menschliche Haut züchtet, um Tierversuche zu reduzieren, sowie Aileen Tina Hufschmidt, Pressesprecherin der Bundeswehr mit Einsätzen im Irak und in Litauen.
Die Siegerin wird beim Finale am Wochenende bekannt gegeben. Der neue Ansatz des Wettbewerbs spiegelt einen gesellschaftlichen Wandel wider – weg von oberflächlichen Maßstäben, hin zu substanziellem Erfolg. Für Sayed und Ben Bouzid ist der Wettbewerb bereits jetzt eine Plattform, um Vorurteile zu widerlegen und andere zu inspirieren.
