Neue deutsche Traditionen: Von Maßanzügen bis zur Schaustellerkultur auf Volksfesten
Emma WernerNeue deutsche Traditionen: Von Maßanzügen bis zur Schaustellerkultur auf Volksfesten
Deutschland hat seine Liste des immateriellen Kulturerbes um neue Einträge erweitert. Staatsminister für Kultur Wolfram Weimer und die Deutsche UNESCO-Kommission gaben diese Woche die neuesten Anerkennung bekannt. Die aktualisierte Liste umfasst nun traditionelle Handwerkskünste, Feste und lokale Bräuche, die für die nationale Identität als unverzichtbar gelten.
Zu den neu aufgenommenen Traditionen zählt das handwerkliche Schneiderhandwerk für Herrenmode. Diese Aufnahme unterstreicht das Können und die Geschichte hinter der deutschen Maßschneiderei – auch wenn manche Europäer über diese Würdigung überrascht sein mögen. Ebenfalls neu dabei ist die Schaustellerkultur auf Volksfesten, die die lebendige Unterhaltung feiert, die seit langem mit regionalen Feiern verbunden ist.
Schon zuvor aufgenommen wurden unter anderem die Fischerei in der Ostsee, das Straßenfußballspielen auf dem Bolzplatz und die St.-Martins-Umzüge im Rheinland. Diese Elemente spiegeln Alltagspraktiken wider, die tief in deutschen Gemeinschaften verwurzelt sind. Bekannte Kultursymbole wie der Döner Kebab oder unabhängige linksalternative Buchhandlungen sucht man auf der offiziellen Liste jedoch vergeblich.
Weimer steht für einen strengen Umgang mit staatlich geförderter kultureller Anerkennung. Erst kürzlich strich er ein Übersetzungsprojekt für palästinensische Autor:innen aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds. Seine Entscheidungen sorgen immer wieder für Diskussionen – etwa als der Bratwurst-Stand des SPD-Sommerfests diesmal keine Berücksichtigung fand.
Die aktualisierte Liste umfasst nun 130 anerkannte Elemente des immateriellen Kulturerbes in Deutschland. Die offizielle Auszeichnung bringt den Traditionen Sichtbarkeit und potenzielle Fördergelder. Doch der Auswahlprozess bleibt umstritten – sowohl für das, was er aufnimmt, als auch für das, was er auslässt.






