Rosenheims Landrat fordert schärfere Durchfahrtsverbote nach Tiroler Vorbild
Emma WernerLandrat im Rosenheimer Land will administrative Helfer wie in Tirol - Rosenheims Landrat fordert schärfere Durchfahrtsverbote nach Tiroler Vorbild
Otto Lederer, Landrat des Landkreises Rosenheim in Oberbayern, fordert schärfere Kontrollen der Durchfahrtsverbote auf überlasteten Autobahnen. Sein Vorstoß folgt auf Kritik von Anwohnern und lokalen Politikern, die die aktuelle Umsetzung als unzureichend und schlecht organisiert bezeichnen. Lederer verweist auf das seit Jahren bewährte Ausfahrverbot in Tirol, das Bayern als Vorbild dienen könnte, um das Verkehrschaos einzudämmen.
Tirol setzt solche Ausfahrverbote bereits seit etwa sechs Jahren erfolgreich durch. Allein im vergangenen Jahr wurden rund 516.000 Fahrzeuge zurück auf Hauptrouten wie die Inntalautobahn (A12) umgeleitet. Zwischen April und November 2025 stieg diese Zahl auf etwa 1,2 Millionen Fahrzeuge. Die Durchsetzung erfolgte durch mobile Geschwindigkeitskontrollen, Drohnenüberwachung und verstärkte Polizeipräsenzen an neuralgischen Punkten.
Lederer wünscht sich ähnliche Maßnahmen auch in Bayern, wo Durchfahrtsverbote bisher nur bei akutem Stau greifen. Dies erschwert die Planung für die Polizei, da die Regeln nicht durchgehend gelten. Er schlug vor, Verwaltungskräfte – ähnlich wie in Tirol – zur Unterstützung der Verkehrslenkung einzusetzen. Das bayerische Innenministerium lehnte dies jedoch ab mit der Begründung, dass nur die Polizei rechtlich befugt sei, den Verkehr zu regeln und Anweisungen zu erteilen.
Ein weiteres Problem sind Navigations-Apps, die Autofahrer gezielt über Ortsstraßen umleiten, um Staus auf den Autobahnen zu umgehen. Lederer zeigte sich verärgert, dass Behörden keinen Einfluss auf diese Routenempfehlungen hätten. Gemeinsam mit Michael Siefener, dem stellvertretenden Polizeichef für Oberbayern Süd, forderte er zudem eine deutlichere Beschilderung auf den Autobahnen, um die Kontrollen zu verbessern. In den letzten Monaten hatten Polizisten bereits tausende Fahrzeuge zurück auf die Hauptrouten gelenkt.
Die Debatte zeigt die Herausforderungen bei der Verkehrssteuerung in Oberbayern. Während Tirol auf ein dauerhaftes System setzt, sorgen die temporären Verbote in Bayern für Unsicherheit – sowohl bei der Polizei als auch bei den Autofahrern. Ohne Änderungen drohen weiterhin Staus und illegale Schleichwege durch Wohngebiete.
