Salzburger Festspiele: Warum Karin Bergmann an Currentzis festhält – trotz aller Kritik
Niklas NeumannSalzburger Festspiele: Warum Karin Bergmann an Currentzis festhält – trotz aller Kritik
Salzburger Festspiele in neuer Kontroverse: Direktorin Karin Bergmann verteidigt Dirigenten Teodor Currentzis
Die Salzburger Festspiele stehen erneut in der Kritik, nachdem Direktorin Karin Bergmann ihre Entscheidung begründete, den Dirigenten Teodor Currentzis im Amt zu belassen. Die Personalie löst eine Debatte über die moralische Haltung des Festivals aus – insbesondere vor dem Hintergrund von Currentzis' Verbindungen zu russischen Staatskonzernen. Bergmann, die nach den Fehltritten ihres Vorgängers die Leitung übernahm, sieht sich nun mit der Herausforderung konfrontiert, Tradition und moderne Erwartungen in Einklang zu bringen.
Bergmann hatte die Führung der Festspiele nach den Pannen ihres Amtsvorgängers übernommen. Seither bemüht sie sich, Teile des alten Teams zu erhalten, während sie das Festival gleichzeitig modernisiert. Zu ihrem Kurs gehört auch die Beibehaltung von Teodor Currentzis – einer umstrittenen Persönlichkeit – als Dirigent für Hinterhäuser.
Currentzis, der seit der Annexion der Krim die russische Staatsbürgerschaft besitzt, steht wegen seiner finanziellen Verstrickungen mit Unternehmen wie Gazprom und VTB in der Kritik – beide gelten als mit dem Ukraine-Krieg verbunden. Musiker seines Ensembles MusicAeterna haben die Spannungen zusätzlich angeheizt, indem sie deutsche Politiker angriffen und Journalisten mit Nazis verglichen.
Bergmanns Verteidigung von Currentzis steht im Widerspruch zu den Gründungsprinzipien des Festivals, die die kulturelle und moralische Verantwortung der Kunst betonen. Die Sopranistin Anna Netrebko, eine weitere prominente russische Künstlerin, hat sich unterdessen vom Kreml distanziert, indem sie seit Jahren auf Auftritte in Russland verzichtet und sich auf Engagements in Europa konzentriert.
Die Zukunft der Festspiele bleibt ungewiss. Im September sollen die Anhörungen für Bergmanns Nachfolger beginnen.
Bergmanns Amtszeit gleicht einem Balanceakt zwischen der Bewahrung des Erbes und der Auseinandersetzung mit ethischen Fragen. Ihr Nachfolger wird diese Herausforderungen erben – einschließlich der Folgen von Currentzis' Engagement. Die in den kommenden Monaten getroffenen Entscheidungen werden den Ruf des Festivals auf Jahre prägen.






