16 March 2026, 00:55

Thalia Theater verhandelt fiktiven Prozess gegen Deutschlands AfD-Dilemma

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Thalia Theater verhandelt fiktiven Prozess gegen Deutschlands AfD-Dilemma

Hamburgs Thalia Theater inszeniert politisches Spektakel: Ein dreitägiger Prozess gegen Deutschland

In diesem Jahr wird das Thalia Theater in Hamburg Schauplatz eines mutigen politischen Experiments: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert im Rahmen der Hamburger Lessing-Tage einen dreitägigen Prozess gegen Deutschland. In diesem fiktiven Gerichtsverfahren geht es um die mögliche Verbotsdebatte der rechtsextremen AfD. Den Vorsitz führt die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin – ihre Teilnahme verleiht dem theatralischen Ereignis juristisches Gewicht.

Milo Rau ist bekannt für sein provokantes, postdramatisches Theater, das reale gesellschaftliche Konflikte mit inszenierten Prozessen verbindet. Zu seinen früheren Werken zählen Das Kongo-Tribunal (2015), das sich mit den Gräueltaten in der Demokratischen Republik Kongo auseinandersetzte, sowie die Moskauer Prozesse (2013), eine Nachstellung stalinistischer Säuberungen. Besonders umstritten war Österreicher (2014), in dem Rau Österreichs NS-Vergangenheit aufarbeitete, indem er Nachfahren von Tätern einband. Seine Produktionen waren bereits auf renommierten Festivals wie dem Festival d'Avignon, dem Berliner Theatertreffen und den Wiener Festwochen zu sehen.

Der diesjährige Prozess gegen Deutschland führt Rau's Tradition fort, Theater und politische Debatte zu verschränken. Juristen und Rechtsexperten begleiten das fiktive Verfahren, in dem Argumente für und gegen ein AfD-Verbot ausgetauscht werden. Die Veranstaltung wird zudem live auf der Website des Thalia Theaters übertragen und ist so auch über den Spielort hinaus zugänglich.

Die Hamburger Lessing-Tage, ein politisches Festival, das 2010 vom ehemaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux ins Leben gerufen wurde, bieten die Bühne für Rau's Projekt. Die diesjährige Ausgabe wird von Matthias Lilienthal kuratiert, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Das Festival steht seit jeher für konfrontative Kunst, die gesellschaftliche Normen herausfordert.

Der Prozess gegen Deutschland bildet den Abschluss der diesjährigen Lessing-Tage und verbindet juristische Auseinandersetzung mit theatralischer Performance. Mit Herta Däubler-Gmelin als Vorsitzende und Rau's Ruf für schonungslose Inszenierungen verspricht das Verfahren hitzige Diskussionen. Zwar ist das Ergebnis symbolisch – doch es spiegelt die anhaltenden Spannungen um den Platz der AfD in der deutschen Politik wider.

AKTUALISIERUNG

Polarisierte Reaktionen auf das theatralische Verfahren betonen politische Gräben

Das fiktive Verfahren hat eine starke politische Polarisierung ausgelöst. Neueste Berichte zeigen:

  • Rechtsextreme Unterstützer lobten das Ereignis als mutigen Diskussionsrahmen.
  • Linke Kritiker verurteilten es als gescheiterten 'Toleranztest' (Toleranztest).
  • Die öffentliche Diskussion bleibt geteilt über seine Rolle bei der Behandlung der politischen Legitimität der AfD.