Wie ein katholisches Institut Frankreichs politische Rechte neu prägt
Lukas BauerWie ein katholisches Institut Frankreichs politische Rechte neu prägt
Ein neues Denkfabrik-Projekt, das Institut de l'Espérance, hat sich zu einem zentralen Akteur in Frankreichs sich wandelnder politischer Landschaft entwickelt. Gegründet 2021 vom katholischen konservativen Milliardär Vincent Bolloré, kommt es zu einer Zeit, in der sich die französische Rechte neu formiert und kulturelle Debatten in den Mittelpunkt rücken. Das Institut will politische Analysen, christliche Werte und gesellschaftliches Engagement verbinden – mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2027.
Das Institut de l'Espérance erarbeitet derzeit 100 Politikvorschläge zu den Themen Einwanderung, öffentliche Ausgaben, Wirtschaftsförderung und patriotische Werte. Anders als viele französische Denkfabriken – die oft, besonders auf der rechten Seite des Spektrums, kaum Gehör finden – strebt dieses Institut danach, den öffentlichen Diskurs mitzugestalten. Zu seiner Führung gehören Jean-Christophe Thiery, Philippe Royer und Chantal Barry, allesamt überzeugte christdemokratische Persönlichkeiten.
Inspiriert von der katholischen Soziallehre wirbt das Institut für das, was es lösungsorientierte Alltagsvernunft nennt, um gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen. Zwar setzt es sich nicht für eine Rücknahme des Abtreibungsrechts ein, doch schlägt es vor, Gesetze abzuschaffen, die Äußerungen gegen Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellen. Die Denkfabrik ist eingebettet in ein größeres Netzwerk konservativer und liberaler Gruppen, die mit Bollorés Medien- und Wirtschaftsinteressen verbunden sind.
Traditionell hatten es Denkfabriken in Frankreich schwer, Einfluss zu gewinnen – linksgerichtete Institute dominierten lange das Feld. Das Institut de l'Espérance will dies ändern, indem es die intellektuelle Debatte anheizt und politisch-konservative sowie christlich geprägte Alternativen anbietet.
Die Arbeit des Instituts fällt in eine Phase, in der die französische Rechte ihre Prioritäten neu definiert und kulturelle Themen an Bedeutung gewinnen. Bis 2027 könnten seine Forschungsergebnisse und Vorschläge eine Rolle dabei spielen, die politische Agenda mitzugestalten. Derzeit liegt der Fokus darauf, glaubensbasierte Werte mit praxisnahen Lösungsansätzen zu verknüpfen.






