Winfried Kretschmanns bewegender Abschied aus dem Stuttgarter Landtag
Niklas NeumannNach 46 Jahren: Kretschmann hält letzte Rede im Landtag - Winfried Kretschmanns bewegender Abschied aus dem Stuttgarter Landtag
Winfried Kretschmann hat seine letzte Rede im Landtag von Baden-Württemberg gehalten und damit eine lange politische Karriere beendet. Der 75-Jährige, der 2011 zum dienstältesten Ministerpräsidenten des Landes wurde, kandidiert nicht bei den anstehenden Wahlen im März. Seine Abschiedsworte wurden mit stehenden Ovationen von Kollegen aller Fraktionen gewürdigt.
Kretschmann zog 1980 erstmals in den Landtag ein und ist seit 1996 ununterbrochen Abgeordnete. In seiner Abschiedsrede bezeichnete er das Parlament als "Herz und Nervensystem unserer Demokratie". Er betonte dessen zentrale Rolle für das alltägliche Leben und rief die Bürger auf, es mit der gebotenen Ernsthaftigkeit zu behandeln.
Gleichzeitig warnte er, dass der Einfluss des Landtags fortlaufenden Bedrohungen ausgesetzt sei. Föderalismus und die Machtzentralisierung innerhalb der EU untergrüben seiner Ansicht nach immer wieder die Bedeutung der Landesebene. In seiner Rede lobte er die Kammer als Ort zivilisierter Debatten, in denen Meinungsverschiedenheiten auf Fakten und verfassungsmäßigen Grundsätzen basieren sollten.
Mit seinem Rückzug endet eine Ära für Baden-Württembergs dienstältesten Regierungschef. Kretschmann, bekannt für seine beständige Führung, hinterlässt ein Erbe als Verfechter der regionalen Demokratie inmitten übergeordneter politischer Verschiebungen.
Sein Abschied fällt in die Zeit vor den März-Wahlen, bei denen die Wähler eine neue Landesregierung bestimmen werden. In seiner letzten Ansprache unterstrich er die anhaltende Bedeutung des Landtags – trotz externer Herausforderungen für seine Kompetenzen. Der lang anhaltende Applaus der Abgeordneten spiegelte den Respekt wider, den er sich in Jahrzehnten im Amt erworben hat.
