30 March 2026, 00:18

"Wir wollten weg": Ein DDR-Flüchtling kämpft gegen Stasi und Unrechtssystem

Eine Menge steht vor dem Brandenburger Tor in Berlin, hält Fahnen und Schilder, mit einem Banner auf der rechten Seite, das protestbezogene Texte anzeigt.

"Wir wollten weg": Ein DDR-Flüchtling kämpft gegen Stasi und Unrechtssystem

Ein neues Memoir von Peter Niebergall wirft ein Licht auf die harte Realität des Lebens unter dem SED-Regime der DDR. "Wir wollten weg" erzählt vom Kampf seiner Familie um Ausreise in den 1980er-Jahren, ihrer Verhaftung durch die Stasi und den darauffolgenden juristischen Auseinandersetzungen. Das Buch zieht zudem beunruhigende Parallelen zwischen der autoritären Vergangenheit der DDR und den heutigen politischen Herausforderungen in Deutschland.

Peter Niebergalls Widerstand gegen den DDR-Staat begann lange vor seiner Verhaftung. 1968 erlebte er die sowjetische Invasion in der Tschechoslowakei während des Prager Frühlings mit – ein Ereignis, das sein Misstrauen gegenüber dem Regime weiter vertiefte. Jahre später, 1983, beantragten er und seine Frau Heidi die Ausreise in die Bundesrepublik – eine Entscheidung, die sie zu Staatsfeinden stempelte.

Am 6. August 1983 wurden das Ehepaar und andere Bürgerrechtler von der Stasi festgenommen. Ihnen wurde "staatsfeindliche Hetze" vorgeworfen, angeklagt vom Staatsanwalt Ekkehard Kaul. Nur zwei Monate später verurteilte das Bezirksgericht Berlin-Pankow Peter Niebergall zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten.

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Kaul selbst musste sich nach der Wiedervereinigung vor Gericht verantworten. Im November 1998 verurteilte ihn das Landgericht Berlin wegen Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten.

Niebergalls Memoiren dokumentieren nicht nur persönliches Leid, sondern analysieren die unterdrückerischen Strukturen der SED und untersuchen, wie das Erbe der DDR bis heute die deutsche Politik prägt. Die Linkspartei – Nachfolgeorganisation der SED-nahe PDS – hatte sich lange mit ihrer Vergangenheit schwergetan, verteidigte zunächst Teile des Regimes, bevor sie dessen Verbrechen allmählich eingestand. Innere Spannungen bestehen fort, besonders seit der Fusion mit der WASG 2007, die sowohl Wachstum als auch Radikalisierung mit sich brachte.

"Wir wollten weg" ist zugleich historisches Zeugnis und Mahnung. Niebergalls Geschichte zeigt die Gefahren unkontrollierter Staatsmacht auf, während die modernen Bezüge des Buchs die Leser auffordern, aktuelle politische Entwicklungen kritisch zu hinterfragen. Die juristischen Konsequenzen für Akteure wie Kaul verdeutlichen zudem, wie die Wiedervereinigung eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit erzwang – eine Aufarbeitung, die Deutschland bis heute prägt.

Quelle