Psychotherapie-Honorare sollen 2026 um 4,5 Prozent sinken – Proteste formieren sich
Niklas NeumannPsychotherapie-Honorare sollen 2026 um 4,5 Prozent sinken – Proteste formieren sich
Eine geplante Kürzung der Honorare für ambulante Psychotherapie um 4,5 Prozent hat in Deutschland breite Besorgnis ausgelöst. Die Senkung, die im April 2026 in Kraft treten soll, geht auf einen Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses zurück. Kritiker warnen, dass dieser Schritt den Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung weiter verschlechtern könnte – insbesondere für vulnerable Gruppen, die bereits jetzt mit langen Wartezeiten kämpfen.
Die Krankenkassen begründeten die Kürzung mit sogenannten "überproportional hohen Honorarsteigerungen" für niedergelassene Psychotherapeut:innen in den vergangenen Jahren. Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) wies diese Argumentation zurück und bezeichnete die Entscheidung als "ein fatales Signal". Vielmehr belegten die anhaltend langen Wartelisten einen hohen Bedarf und keineswegs ein Überangebot, so der Verband.
Der Deutsche Hausärzteverband (KBV) verurteilte die Kürzungen als "einen Skandal" und warnte, dass vor allem Patient:innen die Leidtragenden sein würden. Es drohten weniger verfügbare Therapieplätze und eine Verschärfung der Versorgungslücken – besonders in ländlichen Regionen wie Schleswig-Holstein. Zwar gibt es keine genauen Zahlen, wie viele Therapieplätze bundesweit wegfallen könnten, doch Expert:innen rechnen mit längeren Wartezeiten für gesetzlich Versicherte, etwa in Städten wie Mainz.
Der Widerstand gegen die Pläne wächst rasant. Eine Petition an den Bundestag und eine Online-Kampagne gegen die Kürzungen haben bereits über 120.000 Unterschriften gesammelt. Für den 26. März ist eine Demonstration in Mainz geplant, während lokale Politiker:innen die Verantwortlichen zum Umdenken auffordern. Viele befürchten, dass die Änderungen die Kapazitäten weiter in Richtung privat Versicherter verschieben und anderen Betroffenen noch weniger Optionen bleiben.
Fachleute betonen die weitreichenden Folgen der Kürzungen: Zugängliche psychotherapeutische Versorgung helfe Menschen, Krisen zu überwinden und sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern – langfristig entlaste dies das Gesundheitssystem. Ohne Gegensteuer drohten besonders gefährdete Gruppen, darunter Jugendliche und akut Hilfebedürftige, noch höhere Hürden bei der Inanspruchnahme von Unterstützung.
Die 4,5-prozentige Honorarkürzung soll im April 2026 greifen. Falls umgesetzt, könnte sie zu weniger Therapieplätzen, längeren Wartezeiten und einer vertieften Ungleichheit in der Versorgung führen. Behörden in Mainz und anderen Regionen setzen sich weiterhin für eine Überprüfung der Pläne ein.






