"Servus!" für Lahav Shani: Münchens Gruß löst kulturelle Debatte aus
München startet Kampagne mit "Servus!" für den neuen Philharmoniker-Chef Lahav Shani – und löst damit eine Debatte über kulturelle Offenheit aus
München hat eine neue Kampagne gestartet, um Lahav Shani, den künftigen Musikdirektor der Münchner Philharmoniker, willkommen zu heißen. Statt sich mit einem einfachen "Schalom" auf seine israelischen Wurzeln zu besinnen, entschied sich die Stadt für einen traditionell bayerischen Gruß: "Servus!". Die Entscheidung hat eine Diskussion über Münchens Umgang mit kultureller Vielfalt ausgelöst.
Die Wortwahl der Kampagne steht im Kontrast zu der Art, wie andere deutsche Städte internationale Kulturpersönlichkeiten begrüßt haben. Als Simon Rattle die Leitung der Berliner Philharmoniker übernahm, empfing ihn die Hauptstadt mit einer weltoffenen "Willkommen!"-Botschaft. München hingegen setzt seit jeher auf lokale Traditionen statt auf multikulturelle Gesten – eine Haltung, die sich auch in der Betonung des "Bayernkults" widerspiegelt.
Doch Münchens Geschichte kennt auch Momente der Offenheit. Nach dem Krieg baute die Stadt ihre jüdische Gemeinde wieder auf und eröffnete 2006 am Jakobsplatz die Ohel-Jakob-Synagoge. Die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch spielte dabei eine zentrale Rolle; das neue Gotteshaus ersetzte die unter den Nationalsozialisten zerstörte Synagoge. Schon früher, während der Jugendstil-Ära unter Prinzregent Luitpold (1886–1912), entwickelte sich München zu einem kulturellen Zentrum und zog internationale Künstler an – darunter die Mitglieder des "Blauen Reiters", der 1911 von Gabriele Münter mitgegründeten expressionistischen Gruppe.
Selbst im Alltag zeigen sich multikulturelle Einflüsse. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lässt sich gelegentlich einen "Söder-Döner" schmecken – ein Kebab-Gericht mit türkischen Wurzeln. Doch bei kulturellen Großereignissen setzt München weiterhin auf regionale Identität statt auf globale Vernetzung.
Die "Servus!"-Kampagne für Lahav Shani unterstreicht Münchens Vorliebe für lokale Traditionen. Zwar hat die Stadt internationale Kultur in der Vergangenheit gefördert, doch ihr aktueller Kurs bleibt tief in bayerischem Stolz verwurzelt. Die Wahl des Grußes sendet ein klares Signal, wie sich München auf der weltweiten Bühne positionieren möchte.






