Sexualisierte Gewalt im Netz: Jeder zweite Jugendliche in Deutschland betroffen
Lukas BauerSexualisierte Gewalt im Netz: Jeder zweite Jugendliche in Deutschland betroffen
Fast die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland war bereits von sexualisierter Gewalt im Internet betroffen – das ergab eine aktuelle Studie. Das Thema rückte jüngst noch stärker in den Fokus, nachdem die Schauspielerin Collien Fernandes schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, erhoben hatte. Nun fordern Expert:innen wirksamere Präventionsmaßnahmen, um der wachsenden Problematik zu begegnen.
Die Jugendsexualitätsstudie des Bundeszentralamts für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt das Ausmaß der Missstände: Fast jeder zweite junge Mensch hat demnach bereits digitale sexualisierte Gewalt erlebt. Viele Vorfälle spielen sich in Freundeskreisen oder Schulchatgruppen ab.
Besonders verbreitet ist Cybergrooming – also die gezielte Ansprache von Minderjährigen durch Täter:innen in Chats –, von dem 2025 fast 25 Prozent der Jugendlichen betroffen waren. Die Gefahr geht dabei nicht nur von Fremden aus, sondern oft auch von Gleichaltrigen oder Bekanntschaft.
Als Reaktion startete Thüringen unter der Leitung von Yasmina Ramdani ein bundesweit einzigartiges, dreijähriges Pilotprojekt. Finanziert vom Landesjugendamt, wurden in der Region rund 5.000 Schüler:innen der 5. bis 8. Klassen in Präventionsworkshops geschult. Wie viele Schulen seitdem ähnliche Programme eingeführt haben, ist jedoch nicht bundesweit erfasst.
Lehrkräfte berichten häufig, dass sie sich trotz des Bewusstseins für die Schwere der Fälle überfordert fühlen. Fachleute betonen, dass auch Eltern gefordert sind: Sie müssten mit ihren Kindern über Grenzen sprechen und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien vorleben.
Forschende sehen in der Prävention den kostengünstigsten Weg, um sexualisierte Gewalt im Netz einzudämmen. Ohne flächendeckende Schulprogramme drohen jedoch langfristige Folgen – sowohl für die Betroffenen als auch für die Gesellschaft. Das Problem erfordert nun mehr als nur Einzelinitiativen: Es braucht ein gesamtgesellschaftliches Handeln.






