AfD-Politiker Tillschneider attackiert deutsche Erinnerungskultur und Weizsäckers Befreiungsrede
Emma WernerAfD-Politiker Tillschneider attackiert deutsche Erinnerungskultur und Weizsäckers Befreiungsrede
Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, hat mit scharfer Kritik an der deutschen Nachkriegsgeschichtsaufarbeitung für Aufsehen gesorgt. In jüngsten Äußerungen bezeichnete er die langjährige Auseinandersetzung mit der NS-Zeit als eine „intellektuelle Kapitulation“ und forderte eine Rückkehr zu einer „normalen deutschen Identität“.
Tillschneider richtete sich dabei besonders gegen die berühmte Rede Richard von Weizsäckers aus dem Jahr 1985, in der dieser den 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ vom Nationalsozialismus charakterisierte. Diese Rede nannte Tillschneider eine „Unterwerfung“ und warf ihr vor, eine „absurde Schuldkultur“ zu verstärken. Statt diese Perspektive zu akzeptieren, argumentierte er, hätten sich die Deutschen im Nachhinein mit den alliierten Siegermächten solidarisiert, um der eigenen Schuld zu entgehen.
Er ging noch weiter und deutete die Niederlage des Nationalsozialismus als „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“. Unter Berufung auf den konservativen Politiker Franz Josef Strauß kritisierte Tillschneider, was er als „ewige Vergangenheitsbewältigung als dauernde Buße“ bezeichnete. Seine Aussagen bezog er auch auf die AfD selbst und warnte, der aktuelle Kurs der Partei führe nicht zu einer „stolzen Zukunft“, sondern zurück in die „intellektuelle Isolation“.
Wiederholt lehnte er den Gedanken einer kollektiven Verantwortung ab und bezeichnete diese als „imaginäre Kollektivschuld“. Seine Äußerungen sorgen für Aufmerksamkeit, da sie sich radikal von der etablierten deutschen Nachkriegsnarrative abgrenzen.
Tillschneiders Aussagen stellen die seit Jahrzehnten geprägte Herangehensweise Deutschlands an die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit infrage. Indem er zentrale historische Deutungen zurückweist, positioniert er sich gegen den politischen und kulturellen Mainstream. Seine Worte dürften die Debatte über Erinnerung, Identität und die Rolle der AfD in der öffentlichen Meinungsbildung weiter anheizen.






