Lilli Tollkiens neuer Roman enthüllt Berlins düstere 1980er-WG-Kultur
Jonas KrausLilli Tollkiens neuer Roman enthüllt Berlins düstere 1980er-WG-Kultur
Ein neuer Roman, der im März 2026 erscheint, wirft Licht auf ein wenig bekanntes Kapitel des Berlin der 1980er-Jahre."Mit beiden Händen den Himmel stützen" von Lilli Tollkien erzählt die Geschichte von Lale, einem Kind, das in einer chaotischen Männer-WG aufwächst und dessen frühes Leben von Vernachlässigung, Missbrauch und schließlich von Widerstandskraft durch das Erzählen geprägt ist. Das Buch scheint sich an realen Ereignissen zu orientieren, doch über Lales spätere Jahre ist nur wenig bekannt.
Lale wurde in eine turbulente Welt hineingeboren. Ihre Mutter kämpfte mit Heroinabhängigkeit, ihr Vater, ein Kleinkrimineller mit Verbindungen zur linksradikalen APO-Bewegung, war oft abwesend. Schon mit achtzehn Monaten wurde sie in staatliche Obhut genommen, nachdem sie in Gegenwart ihrer Mutter Rohypnol-Tabletten eingenommen hatte.
Später lebte sie wieder in einer Berliner Männer-WG der 1980er-Jahre – einem Ort, an dem revolutionäre Ideale auf exzessiven Alkoholkonsum, Drogen und endlose Partys trafen. Stabilität suchte man hier vergeblich. Ein Mitbewohner missbrauchte sie sexuell, während ihr Vater, der schließlich in dieselbe WG zog, nichts von ihrem Leid ahnte.
Für einige Zeit wurde die Schule zu Lales Zuflucht. Akademisch blühte sie auf – bis zur Pubertät, als ihr Leben eine düstere Wendung nahm. Sucht und instabile Freundschaften verdrängten ihre früheren Erfolge. Trotz des Chaos fand sie schließlich Trost im Schreiben, ein zentrales Motiv des Romans.
Die Autorin Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, weist selbst biografische Parallelen zur Geschichte auf. Sie studierte Regie und Musiktherapie, arbeitete als Suchtberaterin in Gefängnissen und später als Berufscoach und Stylistin. Heute lebt sie mit ihren Kindern in Leipzig, widmet sich der Fotografie und trägt zu literarischen Anthologien bei.
Der Roman gewährt einen seltenen Einblick in Lales Kindheit, doch über ihr Leben nach dem Auszug aus der WG in den 1980ern ist kaum etwas öffentlich bekannt. Vielleicht bringt die Veröffentlichung 2026 weitere Klarheit. Bis dahin bleibt das Buch ein Zeugnis des Überlebens – geprägt von Entbehrung und der Kraft der Erzählung.






