Jeder Dritte mit Migrationshintergrund denkt über Auswanderung vor der Bundestagswahl 2025 nach
Niklas NeumannEiner von Fünf Denkt Über Auswanderung Nach - Jeder Dritte mit Migrationshintergrund denkt über Auswanderung vor der Bundestagswahl 2025 nach
Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland denken über einen Wegzug aus dem Land nach. Eine aktuelle Studie zeigt, dass fast jeder Dritte aus dieser Gruppe in den vergangenen Jahren eine Auswanderung in Erwägung gezogen hat. Besonders deutlich wird dieser Trend vor der Bundestagswahl 2025 – die Zahl derer, die einen Umzug ins Ausland erwägen, ist spürbar gestiegen.
Am stärksten ausgeprägt ist der Wunsch nach einem Neuanfang im Ausland bei Menschen mit familiären Wurzeln in der Türkei, dem Nahen Osten und Nordafrika: 39 Prozent von ihnen haben bereits über eine Auswanderung nachgedacht. Es folgen Personen mit Herkunft aus der ehemaligen Sowjetunion (31 Prozent) sowie Menschen mit EU-Hintergrund (28 Prozent). Zum Vergleich: Nur 17 Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund spielen mit dem Gedanken.
Diskriminierungserfahrungen und die Hoffnung auf ein besseres Leben sind die Hauptgründe für diese Überlegungen. Konkrete Auswanderungspläne gibt es jedoch kaum – lediglich 2 Prozent der Befragten gaben an, innerhalb des nächsten Jahres tatsächlich gehen zu wollen. 2024 haben rund 1,2 Millionen Menschen Deutschland verlassen. Der Trend beschränkt sich dabei nicht auf Personen mit Migrationshintergrund: Auch hochqualifizierte Fachkräfte wie IT-Spezialisten, Ingenieure und medizinisches Personal blicken vermehrt über die Grenzen. Junge Akademiker, Studierende und Beschäftigte im Gesundheitssektor nennen vor allem Frust über Bürokratie, hohe Steuern und den Rückbau öffentlicher Leistungen als Gründe. Steigende Lebenshaltungskosten, bessere Berufschancen im Ausland sowie Unzufriedenheit mit der politischen Entwicklung befeuern das Interesse am Wegzug zusätzlich. Manche suchen auch nach einer besseren Work-Life-Balance und mehr beruflicher Wertschätzung.
Das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) stellte fest, dass die Auswanderungsüberlegungen kurz vor der Bundestagswahl im Februar 2025 um etwa zehn Prozentpunkte anstiegen. Die Zahlen zu abstrakten Wegzugsabsichten liegen hier etwas höher als in anderen Studien.
Die Forschungsergebnisse zeigen einen deutlichen Wandel in der Einstellung zur Auswanderung – insbesondere in bestimmten Bevölkerungsgruppen. Zwar haben die meisten keine konkreten Pläne, das Land kurzfristig zu verlassen, doch die steigende Zahl derer, die darüber nachdenken, spiegelt tiefgreifende Sorgen wider: über Lebensbedingungen, Karrierechancen und gesellschaftliche Integration in Deutschland. Die tatsächlichen Abwanderungszahlen des Jahres 2024 deuten darauf hin, dass für manche diese Überlegungen bereits in die Tat umgesetzt wurden.
