Corny Littmanns 50 Jahre Theatergeschichte prägten die Hamburger Kultur für immer
Emma WernerTheaterregisseur Corny Littmann feiert 50-jähriges Bühnenjubiläum - Corny Littmanns 50 Jahre Theatergeschichte prägten die Hamburger Kultur für immer
Corny Littmann hat seit einem halben Jahrhundert die Hamburger Theaterszene geprägt. Der 73-jährige Schauspieler, Regisseur und Theaterunternehmer stand erstmals als Kind in einer Schulaufführung von Ali Baba und die vierzig Räuber auf der Bühne. Seitdem umfasst seine Karriere bahnbrechende Auftritte, Engagement für LGBTQ+-Rechte und die Gründung einiger der beliebtesten Spielstätten der Stadt.
Sein ernsthafter Einstieg in die Theaterwelt begann 1976, als er Brühwarm mitbegründete – Deutschlands erstes offen schwules Theaterensemble. Ihre Premiere am 13. Januar 1976 in die Fabrik bestach durch rohe Energie – ganz ohne Mikrofone. Sechs Jahre später, 1982, schloss er sich mit dem Kabarettisten Gunter Schmidt zusammen und gründete die Tourneegruppe Familie Schmidt. Zwei Jahre lang reisten sie von Flensburg bis in die Schweiz mit mutigen Produktionen wie deutsch, aufrecht, homosexuell und einem zweiten, namenlosen Stück mit Ernie Reinhardt (später bekannt als Lilo Wanders).
Der Erfolg der Gruppe führte zur Eröffnung des Schmidt Theaters auf der Reeperbahn am 8. August 1988, wo Sag bitte und ich sing’ uraufgeführt wurde. Doch Littmanns Ehrgeiz war damit nicht gestillt. 1991 eröffneten er und sein Geschäftspartner Norbert Aust mit Schmidts Tivoli eine zweite Bühne, bekannt für ihren skurrilen Humor und opulente Shows. Jahrzehnte später, 2015, kam mit Schmidtchen ein kleineres, intimeres Haus hinzu – das dritte Theater, das er auf der Reeperbahn leitet. Abseits der Bühne setzt sich Littmann unermüdlich für LGBTQ+-Rechte ein. Zudem stand er von 2003 bis 2010 als Präsident des FC St. Pauli im Rampenlicht und führte den Kultfußballverein aus der finanziellen Krise. Auf der Bühne verkörpert er oft gebrochene, fehlerbehaftete Charaktere, während er hinter den Kulissen langlaufende Musicals und Schlager-Revuen inszeniert, die das Publikum immer wieder zurückkehren lassen.
Heute erstreckt sich Littmanns Einfluss über die gesamte Hamburger Kulturlandschaft. Seine Theater zählen zu den wichtigsten Anlaufstellen auf der Reeperbahn – eine Mischung aus Humor, Musik und gesellschaftskritischen Tönen. Von Brühwarm bis Schmidtchen unterhält sein Schaffen weiterhin, während es für Inklusion und künstlerische Courage eintritt.
